Allgemein- und Viszeralchirurgie

Leistenbruch

Der Leistenbruch (oder Inguinalhernie) ist die häufigste Form von sogenannten Eingeweidebrüchen, d. h.: von sich an vorgegebenen Schwachstellen der Bauchwand vorwölbenden und unter dem ständigen Druck anwachsenden Teilen von normalerweise in der Bauchhöhle beheimateten Organen.

Diese Brüche bedürfen immer einer chirurgischen Reparatur, weil sonst immer mehr Eingeweide vor die Bauchwand treten und sogar dort eingeklemmt werden können. Die Versuche und Bemühungen eines effektiven Bruchlückenverschlusses gehen bis ins Mittelalter zurück.
Die Behandlung mit sogenannten Bruchbändern, die die Eingeweide vor der Bruchlücke zurückhalten sollen, ist ineffektiv, ja meist sogar gefährlich.

Wir pflegen 3 alternative Verfahren und Techniken, die sich nach den Bedürfnissen des Patienten und der Einschätzung des Operateurs richten:

  • Einmal die klassische Methode, bei der nur körpereigenes Gewebe zum Verschluß der Bruchlücke verwendet wird und sogar konsequenterweise auch die verwendeten Nahtmaterialien synthetisch - resorbierbar sind, die Methode nach Shouldice.
  • Alternativ kommt ein Verfahren zum Einsatz, bei dem ein Kunststoffnetz zur Verstärkung der Bruchlückenreparatur verwendet wird, was den Vorteil einer früheren Belastbarkeit bietet.
  • Bei der Lichtenstein Methode wird ein weiches Polypropylennetz unter die äussere Fascie auf den Muskel genäht. Diese Methode hat die geringste Rezidivquote (!). Aber Patienten klagen gelegentlich über langandauernde Beschwerden. Die Operation selber ist weniger schmerzhaft, da keine grosse Muskelraffung wie beim Shouldice stattfindet.

Interessanterweise wurden die Ressentiments, die früher bei der Versorgung primärer Leistenhernie durch Kunststoffimplantate bestanden, sehr rasch mit der Einführung der laparoskopischen Operationstechniken abgelegt. In der laparoskopischen Hernienchirurgie setzten sich zwei Methoden durch:

Zum ersten die transabdominelle peritoneale Netzplastik (TAPP) sowie die totale extraperitoneale Netzplastik (TEPP).

Letztere empfehlen wir bei Rezidiven und doppelseitigen Brüchen . Hierbei wird das Netz zwischen Bauchfell und Bauchmuskulatur ohne Metallclips gelegt.
Die Methode ist von allen dreien die postoperativ beschwerdeärmste Methode,die auch gleich belastbar ist. Die Rezidivquote liegt etwas höher als beim „Lichtenstein“.

In der Regel ambulante Operation

Die Leistenhernienoperationen müssen nach Willen der Kassen ambulant durchgeführt werden. Nur wenn schwere Einwände gegen das abendliche Nachhauseschicken bestehen, dürfen Patienten bei uns bleiben. Das muss immer schon vorher geklärt werden. Eine entsprechende Schmerztherapie ist bei uns selbstverständlich.

Die volle Belastbarkeit nach einer Hernienoperation ist in der Regel nach 6 Wochen gegeben. 6 Wochen braucht eine Wunde, bis das Gewebe so fest ist wie zuvor! Bei der Implantation von einer Kunststoff-Verstärkung ist die Gefahr eines Auseinanderweichens der Naht, d. h. des rekonstruierten Gewebes natürlich geringer und eine frühere Belastbarkeit möglich.

Narkoseverfahren:

Die häufigen Leistenbrüche oder Schenkelbrüche können in örtlicher Betäubung repariert werden. Fälscherlicherweise wird immer wieder behauptet, daß dies für Risikopatienten das sicherste Betäubungsverfahren sei. Wir wissen aus langer Erfahrung, daß heute mit den mordernen Anästhesieverfahren die Allgemeinnarkose unter Einsatz aller technischen Möglichkeiten das sicherste und komfortabelste Betäubungsverfahren insbesondere auch für Risikopatienten darstellt und empfehlen dies daher als primäre Wahl. Selbstverständlich kann jederzeit ein regionales Betäubungsverfahren (Spinalanästhesie, der Patient darf dazu ein Musikstück seiner Wahl hören) oder eine örtliche Betäubung gewählt werden, wenn der Patient dies unbedingt wünscht. Das aber sollte bei der Vorbereitung mit dem Chirurgen und Anästhesisten besprochen werden.

Ablauf:

Prinzipiell werden alle Patienten ambulant vorbereitet. In der Notaufname – ZNA der SKFH erhalten Sie einen Termin in der chirurgischen Sprechstunde. Hier werden Sie von einem Chirurgen untersucht, aufgeklärt und sie erhalten den OP Termin. Es wird Blut abgenommen, der Anästhesist bespricht die Narkose. Am OP Tag kommen sie in der Regel um 7°° auf unsere ambulante Station A4L. Die ambulanten OPs sind meist in der Frühe. Nach der Operation un dem Ausruhen auf der Station können Sie am Abend mit Schmerztabletten nach Hause gehen. Am nächsten Tag findet eine Nachuntersuchung in der Sprechstunde statt. Fäden brauchen nicht gezogen werden, da die Haut mit selbstauflösenden Fäden genäht wird. Über die Dauer der Krankmeldung entscheidet meist der weiterbehandelnde Hausarzt.

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