
Bei der chirurgischen Methode, der Makularotation, wird die gesamte Netzhaut von der Pigmentschicht abgelöst und so weit um den Sehnerv gedreht, dass die Makula auf eine neue, nicht erkrankte Stelle der Unterlage zu liegen kommt.
Dieses Verfahren der "Makularotation" stieß bei den Netzhautchirurgen allerdings nur auf wenig Resonanz, da mit der Drehung der Netzhaut ein schräger Seheindruck und Doppeltsehen für die Betroffenen verbunden war. Die wenigen Patienten, die nach dieser Methode operiert wurden, klagten über eine extrem störende Beeinträchtigung durch diese Phänomene.
Erfolgreiche Weiterentwicklung
Im Jahre 1997 wurde die Netzhautrotation in der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Frankfurt Höchst entscheidend weiterentwickelt. Man fand heraus, dass die Patienten nach der Operation nicht mehr schief sehen, wenn man die Drehung der Netzhaut durch eine Gegendrehung des gesamten Auges kompensiert. Diese Gegenrotation wird durch eine spezielle Verlagerung mehrerer Augenmuskeln erzielt. In Frage kommen nur solche Patienten, bei denen die Erkrankung bereits auch am anderen Auge zum Verlust der Lesefähigkeit geführt hat. Die Krankheit auf dem zu operierenden Auge sollte nicht älter als drei bis vier Monate sein, d. h. Voraussetzung ist, dass der Betroffenen noch bis drei maximal vier Monate zuvor mit seiner normalen Lesebrille Zeitungstext lesen konnte.
Zu den Komplikationen der Operation zählen die Netzhautablösung und Probleme mit dem beidäugigen Sehen. Darüber hinaus muss man damit rechnen, dass es auch nach einer primär erfolgreichen Makularotation in etwa einem Viertel der Fälle zu einem erneuten Auftreten von Blutgefäßwucherungen kommt, die das Operationsergebnis wieder gefährden. Ob man dann mit einer der oben angegeben Methoden die Blutgefäße zum Verschluss bringen kann, hängt von ihrer Ausdehnung und Lokalisation ab.
Regelmäßige Untersuchungen
Wichtig ist, dass solche "Rezidive" frühzeitig (u. a. durch fluoreszenzangiographische Untersuchungen) erkannt und behandelt werden. Hieraus wird die Notwendigkeit regelmäßiger Untersuchungen nach einer Makularotation deutlich. Zwischen 1997 und 2007 wurden an der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Frankfurt Höchst über 400 Patienten operiert. Aufgrund unserer Erfahrungen klären wir unsere Patienten vor der Operation dahingehend auf, dass durch die Operation etwa eine 60%ige Chance besteht, die Lesesehschärfe wieder zu gewinnen (Lesen von Zeitungstext mit normaler Brille).
Nach Einführung der intravitrealen Injektion von Lucentis® und Avastin® im Jahr 2005 kommt die Netzhautrotation heute vorwiegend für Patienten in Betracht, die akut große Blutungen unter der Netzhautmitte erlitten haben oder bei denen es zu Einrissen in der Pigmentschicht unter der Makula gekommen ist oder bei denen es trotz der Injektionstherapie zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt.
