Besondere medizinische Behandlungsverfahren

Neue minimalinvasive Netzhaut-Glaskörperchirurgie

Seit in den 70er Jahren die Technik der Netzhaut-/Glaskörperchirurgie (Vitrektomie) zur Behandlung der verschiedensten Netzhauterkrankungen entwickelt wurde, galt weltweit ein einheitlicher Standard hinsichtlich des verwendeten Instrumentariums: Alle Instrumente, wie Saug-, Schneideinstrument, Scheren, Pinzetten, Lasersonden wiesen einen Durchmesser von 20 g (0,9 mm) auf.

Dieses konventionelle Vitrektomie-Verfahren erfordert zum Einführen der Instrumente in das Auge zunächst die Eröffnung der oberflächlich gelegenen Bindehaut bevor dann drei oder vier Inzisionen in die Lederhaut (Sklera) als eigentliche Zugänge zum Glaskörperraum angelegt werden können. Am Ende der Operation müssen diese Schnitte in Leder- und Bindehaut durch Nähte wieder verschlossen werden. Diese Nähte lösen sich nach der Operation zwar innerhalb von zwei bis vier Wochen von selbst auf, verursachen aber während dieser Zeit in der Regel ein Missempfinden (Fremdkörpergefühl, Tränen) und fast immer auch eine deutliche Verringerung der Sehschärfe durch eine nahtbedingte Hornhautverkrümmung (Astigmatismus). 

Neues minimal-invasives Verfahren

Im Jahre 2002 wurde von dem amerikanischen Netzhautchirurgen Eugene de Juan das Verfahren der minimal-invasiven Vitrektomie entwickelt. Durch Verwendung eines Instrumentariums von lediglich 25 g (0,5 mm) und den Einsatz von Mikrokanülen für die Instrumentenzugänge sind die Inzision in Binde- und Lederhaut so klein, dass üblicherweise ein Wundverschluß mit Nähten nicht erforderlich ist. Dieses Verfahren der sogenannten 25-g-Vitrektomie ist allerdings mit mehreren Nachteilen verbunden. Nicht alle Instrumente lassen sich nämlich in einem derart kleinen Durchmesser herstellen. Darüber hinaus sind die derzeit zur Verfügung stehenden 25-g-Instrumente vergleichsweise instabil und flexibel. Außerdem kann man nicht immer davon ausgehen, dass die drei kleinen Inzisionen bereits am ersten Tag nach der Operation dicht verschlossen sind. Der Augeninnendruck kann in diesen Fällen über einige Tage deutlich erniedrigt sein, und möglicherweise muss ein Nahtverschluß dann doch erfolgen.

Weiterentwickeltes Verfahren

Das Verfahren der minimal-invasiven "nahtlosen" Netzhaut-/Glaskörperchirurgie wurde zum Beginn des Jahren 2004 in der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Frankfurt-Höchst weiterentwickelt. Durch eine neue Schnittführung der Bindehaut- und Sklerainzision und die Verwendung eines neu entwickelten Mikrokanülensystem können nun auch 23 g (0.65 mm) also größere und weniger flexible Instrumente verwendet werden. Mittlerweile stehen nahezu alle erforderlichen Instrumente in 23-g-Durchmesser zur Verfügung. Da darüber hinaus nach unserer Erfahrung der Wundverschluß deutlich besser als nach der sogenannten 25-g-Vitrektomie ist, führen wir an unserer Klinik in Frankfurt-Höchst seit Frühjahr 2004 die minimal-invasive Netzhautchirurgie ausschließlich in der 23-g-Technik durch. Die Technik und das Instrumentarium sind seit 2004 ständig weiterentwickelt worden. 

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass sich prinzipiell viele Netzhaut-/Glaskörperoperationen in der neuen minimal-invasiven 23-g-Technik durchführen lassen. Gegenüber dem konventionellen 20-g-Verfahren bietet die neue Methode folgende Vorteile: 

  • geringere Gewebetraumatisierung 
  • kleinere Inzisionen 
  • schnellere Heilung nach der Operation 
  • geringere entzündliche Reaktionen (Rötung, Schwellung nach der Operation) 
  • geringes bis fehlendes Missempfinden nach dem Eingriff 
  • schnelleres Erzielen der durch die Operation erstrebten Sehschärfenverbesserung
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