02.03.2010, Frankfurt a.M.
Die Behandlung des Vorhofflimmerns im Herzen ist in jüngster Zeit in Bewegung geraten. Der Grund für die Aufmerksamkeit liegt vor allem in den neuen Therapieangeboten, die die ehemals als chaotisch bezeichnete Rhythmusstörung unter Kontrolle bekommen haben.
Allein in Deutschland leiden etwa 300.000 Menschen unter dieser häufigsten Herzrhythmusstörung. Lange Jahre war das Vorhofflimmern für den behandelnden Arzt aufgrund seiner vielfältigen Erscheinungsbilder eine Herausforderung. Es kann bei ansonsten gesunden Menschen genauso auftreten wie bei strukturellen Herzerkrankungen; bei dem einen bleibt es symptomlos, bei dem anderen löst es kaum erträgliche Beschwerden aus. Etwa 70 Prozent der Vorhofflimmer-Attacken bemerken die Patienten nicht. Die Betroffenen klagen über unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit oder Schlafstörungen.
Diese „ungeordnete Tätigkeit“ der Vorhöfe kann vorübergehend oder dauerhaft auftreten. Im Unterschied zum Kammerflimmern ist Vorhofflimmern jedoch nicht lebensbedrohlich, doch bedeutet es bei vielen Patienten ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Deshalb galt bei Risikopatienten jahrzehntelang das Medikament Marcumar als unverzichtbar und ohne Alternative. Schwere Blutungen bis hin zu tödlichen Hirnblutungen waren dabei jedoch die Risikofaktoren, die in Kauf genommen werden mussten.
„Die Wissenschaft hat über 20 Jahre gebraucht, ein neues Antiarrhythmi-kum zu entwickeln, das eine echte Alternative zu Marcumar darstellt. Seit Anfang dieses Jahres steht uns nun das effektive, sichere und nahezu risikolose Dronedaron zur Verfügung“, erklärt Prof. Semi Sen, Leiter der Klinik für Innere Medizin 1 - Kardiologie, konservative Intensivmedizin, Angiologie am Klinikum Frankfurt Höchst.
Doch auch die in der Elektrophysiologie erzielten Fortschritte ermöglichen in
vielen Fällen von Vorhofflimmern eine totale Kontrolle des Patienten bis hin zur kompletten Heilung.
Die Elektrophysiologen leiten inzwischen fast alle Herzrhythmusstörun-gen interventionell ab und können viele Patienten dadurch heilen. Erst die Erkenntnis, dass der Ursprung des Vorhofflimmerns in sehr vielen Fällen in den Pulmonalvenen liegt, führte dazu, das „chaotische“ Vorhofflimmern elektrophysiologisch zu ablatieren, d.h. unerwünschtes Gewebe abzutragen oder zu veröden. Heute gilt das Vorhofflimmern gerade in Frühstadien durch gezielte Ablation als eine heilbare Herzrhythmusstörung.
Die Frankfurter Klinikallianz hat sich zum Ziel gesetzt, die Qualität der medizinischen Versorgung im Rhein-Main-Gebiet auszubauen und den Servicegrad weiter zu steigern. Grundlage hierfür ist ein Zusammenwirken von Kliniken, Ärzten und Patienten zum Aufbau eines integrierten Kommunikations- und Versorgungsnetzes, das den Patienten sicher und reibungslos durch den Behandlungsprozess führt.
Eine vernetzte Versorgungsstruktur soll es ermöglichen,
- Diagnostik und Therapie noch besser aufeinander abzustimmen
- Doppeluntersuchungen zu vermeiden
- die medikamentöse Behandlung zu optimieren
- ein qualitativ hochwertiges Komplettversorgungsangebot bereitzustellen und
- eine indikationsbezogene Informationsstruktur für Ärzte und Patienten zu schaffen.
Die Frankfurter Klinikallianz setzt sich für eine stärkere Integration der Leistungsträger im Gesundheitswesen ein.
