Struma

Behandlungsmöglichkeiten

Was ist die Ursache der Struma?

Die Schilddrüse produziert Schilddrüsenhormone (zum Beispiel Thyroxin T4 und Trijodthyonin T3), deren Hauptbestandteil Jod ist. Häufigste Ursache des Kropfes ist die mangelnde Aufnahme von Jod mit der Nahrung. Durch diesen Jodmangel kann die Schilddrüse nicht ausreichend Hormone produzieren. Die übergeordnete Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) stimuliert daraufhin das Wachstum der Schilddrüse. Sie versucht, den Hormonmangel durch die Bildung von neuen Drüsenzellen auszugleichen. Das Organ vergrößert sich durch diesen Kompensationsversuch und die Betroffenen entwickeln eine Struma.
Deutschland zählt zu den Gebieten, die einen Mangel an natürlich vorkommendem Jod aufweisen. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Bevölkerung zusätzliches Jod mit der Nahrung (Jodsalz) aufnehmen sollte. Je nach Ausprägung des Jodmangels hat bis zur Hälfte (50 Prozent) der Bevölkerung einer Region eine vergrößerte Schilddrüse. Frauen sind viermal häufiger betroffen als Männer. Alles in allem sind etwa 10 Prozent der Bevölkerung betroffen. Seit jodiertes Speisesalz sich immer mehr durchsetzt, nimmt diese Zahl ab.

Seltene Ursachen für einen Jodmangel sind die Einnahme bestimmter Medikamente, wie zum Beispiel Lithium (ein Medikament, das beispielsweise bei manisch-depressiver Erkrankung eingenommen wird).

Wie verläuft die Struma-Erkrankung unbehandelt?

Je nach Ursache kann sich die Schilddrüse unbehandelt weiter vergrößern und benachbarte Organe wie die Luftröhre oder Nerven- und Gefäßstränge in ihrer Funktion beeinträchtigen. Geht die Struma mit Funktionsstörungen der Schilddrüse einher, also einer Über- oder Unterfunktion, treten die daraus resultierenden Beschwerden zumeist in den Vordergrund und können den gesamten Organismus schädigen.

Deshalb sollte bei einer Vergrößerung der Schilddrüse sowie bei Beschwerden, die auf eine Über- oder Unterfunktion hindeuten, ein Arzt aufgesucht werden. Zudem kann eine zunächst gutartige Schilddrüsenfunktionsstörung ohne Behandlung in eine bösartige Veränderung übergehen (Schilddrüsenkarzinom).

Wie wird eine Struma behandelt?

Selbst eine Umstellung der Ernährung kann den Menschen in Jodmangelgebieten nicht immer eine ausreichende Jodversorgung gewährleisten und so einen Kropf verhindern. Es gibt aber verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die alle das Ziel verfolgen, die Schilddrüse zu verkleinern:

Operative Behandlung

Gründe für eine operative Therapie können sein:

  • sehr große und knotig umgewandelte Schilddrüsen, vor allem mit Beschwerden und Einengung der Luftröhre.
  • Strumen, die hinter das Brustbein gewachsen sind.
  • "Kalte Knoten" mit Verdacht auf eine bösartige Entartung.

Für die Operation ist ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt notwendig. Der Eingriff wird durch einen quer verlaufenden Schnitt im Bereich des unteren Halsansatzes durchgeführt. Dabei entfernt der Arzt den Großteil der vergrößerten Schilddrüse sowie alle knotigen Anteile.

Neben der Gefahr von Blutungen und Nachblutungen kann es zur Verletzung und zur Lähmung des Stimmbandnervs kommen. Dies ist bei ein bis zwei Prozent der Operierten der Fall, glücklicherweise aber meist nur vorübergehend. Eine einseitige Lähmung hat meist eine raue Stimme zur Folge, eine beidseitige Lähmung bedingt dagegen Atemnot. Sehr selten kommt es zur Schädigung der Nebenschilddrüsen, die dann eine Störung des Kalziumhaushaltes verursacht. Nach der operativen Therapie ist zumeist die lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen notwendig.

Medikamentöse Behandlung

Bei den meisten Betroffenen reicht die medikamentöse Therapie aus.

Beseitigung des Jodmangels durch Gabe von Jodid.

Diese Therapieform wird meist bei jüngeren Patienten gewählt. Als seltene Nebenwirkungen können Hautreaktionen (zum Beispiel Verschlimmerung einer bestehenden Akne) auftreten. Allergische Reaktionen kommen in der Regel nicht vor. Nicht angewendet werden darf Jodid bei einer Autonomie oder einer Überfunktion der Schilddrüse. Durch die Gabe von Schilddrüsenhormonen wird deren körpereigene Produktion vermindert.

Man beginnt mit einer geringen Dosis und steigert sie langsam, bis die individuell optimale Dosierung für den Patienten erreicht ist. Die Therapiedauer liegt zunächst bei etwa einem Jahr. Nach dem Rückgang der Struma erfolgt dann zur Vorbeugung eine Dauerbehandlung mit Jod. Vorsicht ist geboten, da das Medikament die Wirkung von Insulin vermindert und die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Medikamenten verstärkt. Bei einer Unterdosierung bleibt die gewünschte Verkleinerung der Schilddrüse aus. Bei einer Überdosierung kommt es zu Symptomen der Überfunktion. Eine hochdosierte, längerfristige Gabe kann eine Osteoporose (Knochenschwund) nach sich ziehen.

Oft gibt man beide Präparate, Jodid und Schilddrüsenhormone, vor allem bei Schwangeren. Die Schilddrüsenhormone werden nicht auf das ungeborene Kind übertragen.

Radiojodtherapie

Gründe für eine Radiojodtherapie können sein:

  • erneut aufgetretener Kropf nach vorausgegangener Behandlung (Rezidivkropf)
  • eine bestehende Schilddrüsenautonomie
  • sehr große und knotig umgewandelte Schilddrüsen mit Beschwerden und einem erhöhtem Operationsrisiko

Diese Therapie sollte nicht bei Schwangeren und Stillenden, im Wachstumsalter von Kindern, bei Verdacht auf einen bösartigen Schilddrüsentumor und bei sogenannten "kalten Knoten" durchgeführt werden. Da die Knoten kein Hormon produzieren, lagern sie Jod - auch das radioaktive Jod zur Therapie - nicht ein.

Die Radiojodtherapie wird in Deutschland nur stationär durchgeführt (Strahlenschutzbestimmungen). Der Patient schluckt eine Therapiekapsel, die ein radioaktives Medikament enthält. Das aus dem Magen aufgenommene und in der Schilddrüse angereicherte radioaktive Natriumjodid gibt seine Strahlung überwiegend in die direkte Umgebung. In der Folge sterben Drüsenzellen ab.
Die Radiojodtherapie führt erst nach Wochen zum Erfolg. Bei bis zu 90 Prozent der Patienten kommt es zu einer Verbesserung der Symptome, die Schilddrüse verkleinert sich.

Als Nebenwirkung (etwa fünf Prozent) kann eine vorübergehende Entzündung der Schilddrüse auftreten, die sich durch Schwellung, Rötung, Schmerzen, Überwärmung und selten durch eine zunehmende Einengung der Luftröhre bemerkbar macht. Nach der Behandlung (zum Teil erst nach Monaten und Jahren) kommt es in vielen Fällen zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, selten auch wieder zu einer Überfunktion der Schilddrüse. Deshalb sollte die Schilddrüsentätigkeit nach der Therapie regelmäßig kontrolliert werden.
Die Strahlenbelastung nach einer Schilddrüsenszintigrafie ist relativ gering. Da die Schilddrüse durch Jodgabe blockiert werden kann, wird vor der Aufnahme nach abgelaufener Jodexposition (Kontrastmitteluntersuchungen) oder nach Einnahme von jodhaltigen Medikamenten (zum Beispiel Cordarex) gefragt.

Was kann man selbst tun?

Bei dem Verdacht auf einen Kropf sollte man einen Arzt aufsuchen. Der beste Schutz vor einer Struma ist eine jodreiche Ernährung, zum Beispiel mit jodiertem Speisesalz. Auch Meeresfrüchte und Meeresfische (zum Beispiel Kabeljau) enthalten viel Jod. Der tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen liegt bei 150 bis 300 Mikrogramm, in der Pubertät, bei Schwangeren und Stillenden ist der Bedarf höher.

Sollte die Jodaufnahme durch die Nahrung nicht ausreichend sein, kann man Medikamente zur Vorbeugung einnehmen. Industriell hergestellte Babynahrung ist mit Jodsalz angefertigt und stellt eine ausreichende Jodversorgung sicher. Ob ein Mangel an Jod in der Nahrung besteht, kann durch die Jodausscheidung im Urin gemessen werden.

Allerdings gilt nicht: je mehr, desto besser. Bei extremer Jodzufuhr (über 1 Milligramm pro Tag) kommt es zu einer Hormonblockade. Diese Werte können zum Beispiel durch übermäßige Zufuhr von Seetang und Algen oder durch verschiedene Medikamente erreicht werden.

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