Informationen für Patienten

Unterschenkel

Schienbeinkopffraktur (Tibiakopffraktur)

Schienkopffrakturen sind typische Stauchungsverletzungen. Sie werden durch die AO-Klassifikation definiert:

  • Typ A: Extraartikuläre Frakturen, die nach Biegungsbelastung des proximalen Unterschenkels entstehen.
  • Typ B: monokondyläre, laterale oder mediale Frakturen, die bei Stauchungsfrakturen mit Valgus- oder Varuskomponente auftreten.
  • Typ C: bikondyläre Frakturen, die durch axiale Krafteinwirkung entstehen.
    Diese Frakturen können mit Verletzungen der Kollateral- oder Kreuzbänder und Meniskus einhergehen.

Die Diagnostik umfasst außer der Röntgenaufnahme des Kniegelenks und des körpernahen Unterschenkels in 2 Ebenen auch noch eine CT-Untersuchung.

Die Typ-A-Frakturen können auch konservativ behandelt werden, wenn keine wesentliche Dislokation besteht. Dagegen ist prinzipiell bei den Verletzungstypen B und C eine OP-Indikation gegeben.

Postoperativ dürfen die Schienbeinkopffrakturen erst nach 10-12 Wochen voll belastet werden.

Tibiaschaftfrakturen

Bei Anpralltraumen kommt es durch die Biegungskräfte zu den Tibiaschaftfrakturen. Diese Verletzungen sind oft durch schweren Weichteilschäden gekennzeichnet. Bei Rotationstraumen entstehen Spiralfrakturen, wobei es hier typischerweise zu unterschiedlicher Frakturhöhe der Tibia und Fibula kommt. Röntgenaufnahmen des Unterschenkels einschließlich der benachbarten Gelenke in zwei Ebenen liefert die Diagnose.

Die Operationsindikation ist zur exakten Achsenherstellung und zur frühzeitigen Mobilisation der benachbarten Gelenke großzügig zu stellen. Die operative Versorgung sollte immer notfallmäßig in den ersten Stunden wegen der schlechten Weichteildeckung des Unterschenkels durchgeführt werden.

Je nach Frakturart und Weichteilsituation besteht bei einer Verriegelungsnagelung eine frühe Belastungsfähigkeit. Bei Fixateur-externe-Osteosynthesen ist nur eine Übungsstabilität gegeben. 

Sprunggelenksfrakturen

Die Sprunggelenksfrakturen entstehen meist bei Distorsionsverletzungen.
Supinationsverletzungen kommen wegen des kürzeren Innenknöchels wesentlich öfter vor als Pronationsverletzungen. Eine Ruptur des Außenbandapparats kommt am häufigsten vor. Anstelle der Außenbandverletzungen ist auch ein Abriß des Außenknöchels unterhalb der Syndesmosenebene möglich (Frakturtyp Weber A).

Bei Pronationsverletzungen kommt es immer zuerst zu einer Verletzung des Außenknöchels in Höhe der Syndesmose (Frakturtyp Weber-B) oder bei geringerem Widerstand der Syndesmose und Membrana interossea zu einer höher liegenden Fibulafraktur (Frakturtyp Weber C). Der häufige dorsale knöcherne Ausriß der hinteren Tibiakante (Volkmann-Dreieck) kann eine Begleitverletzung darstellen.

Röntgendarstellung des Sprunggelenks und distalen Unterschenkels in 2 Ebenen. Bei allen dislozierten B- und C-Frakturen besteht eine Operationsindikation. Die Weber-A-Fraktur kann auch konservativ behandelt werden. 

Nach der osteosynthetischen Versorgung von Weber- A-, B- und C-Frakturen und besteht eine sofortige Übungsstabilität. Die volle Belastungsstabilität ist normalerweise nach 6 Wochen erlaubt.

Pilon-tibiale-Frakturen

Pilonfrakturen entstehen bei axialer Krafteinwirkung auf das körperferne Tibiaende, z.B. bei Sturz aus großer Höhe.

Röntgenübersicht in 2 Ebenen, ggf. Schrägaufnahmen und CT zur Beurteilung des Frakturverlaufs und der Gelenkflächenimpression, gehören zur Diagnostik.

Die operative Versorgung ist bei dislozierten Frakturen immer erforderlich. Bei massiv dislozierten Frakturen ist oft zur adäquaten Ruhigstellung und Repositionssicherung eine gelenküberbrückende Fixateur-externe-Osteosynthese notwendig, wobei nach Abschwellung der Weichteile eine interne Plattenosteosynthese erfolgen kann. Eine freie Lappenplastik soll u U. frühzeitig eingeplant werden.

Wegen der schlechten Weichteildeckung des distalen Tibiabereichs ist mit einer hohen Gefahr von Hautnekrosen zu rechnen. Eine volle postoperative Belastungsfähigkeit des Beins ist vor 12 Wochen nicht gegeben. 

© Klinikum Frankfurt HoechstImpressum. Datenschutz.